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Weihnachten

Zugegeben, 2005, so dachte ich, h?tte ich den Anspr?chen des Weihnachtsmannes nicht entsprochen. Ich war auf das Schlimmste gefa?t, erwartete die unvermeidliche Abreibung: ab in den Sack, ein paar kr?ftige Streiche mit der Rute und dann in den Keller geworfen, um dort bei Wasser und Brot bis Neujahr mit den Ratten zu spielen. In v?lliger Dunkelheit jeglichem Zeitgef?hl beraubt, sah ich mich mit den Resten der Briketts aus den Tagen der Berliner Blockade Striche auf den br?seligen Putz malen, um mich so der Illusion hinzugeben, das Ende meiner Pein absehen zu k?nnen. Es kam anders. Weder k?rperliche Gewalt, noch Magerkost. Dem Stoffwechsel im Feiertagsstre? lie? ich wohlfeile Unterst?tzung mittels erlesenen Single Malts zuteil kommen - k?stlich, einfach k?stlich, erg?nzen sich dazu die Pralinen von Pierre Marcolini. Grandios! Statt muffiger Luft und Dunkelheit, klarer blauer Himmel und die Sonne mit der Strahlkraft des Sterns von Bethlehem. Nur die olfaktorischen Reste des Raclette halten sich hartn?ckig in der Zimmerluft und meiner Garderobe. Langsam mu? ich mich der Morgentoilette hingeben und mich auf die n?chsten kulinarischen H?hepunkte vorbereiten...
9.1.06 22:06


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mh - ?

Woran es lag wei? ich nicht, habe keine Ahnung, allenfalls Vermutungen, wahrscheinlich hatte einfach keine Lust. Ein paar Erlebnisse sind halb fertig geschrieben in der Pipeline steckengeblieben, andere in Vergessenheit geraten. So weit so gut - oder auch nicht - habe hier also lange nicht mehr geschrieben und Pat Bateman mahnte mich in der ihm eigenen freundlich-insestiven Weise dies zu ?ndern. Und da er sich in seinem Blog auf mich bezieht und einsah (was selten ist), da? ich und nicht er in seiner einmaligen Gro?artigkeit, an der ich freundlicherweise als Alter Ego teilhaben darf, der Sch?pfer des kategorischen Konjunktivs bin, mu? ich wohl ran. Es mu? sein. Keine Chance Pate Bateman zu entkommen - erst recht nicht telefonisch. T?glich, wenn die Wogen seines Wasserbettes ihn an den Strand der Wirklichkeit gesp?lt haben, seine Weltherrschaftstr?ume sich wie die See bei Ebbe zur?ckgezogen haben, um dann doch so sicher wie die Flut zur?ckzukehren um alles und jeden gierig zu verschlingen, klingt mal ein, wie ist der Status, mal ein, wie ist die Situation, an mein telefonisches Ohr. So auch heute. Mir ist aber nicht nach einem dreist?ndigen Telefonat ?ber mindestens dreistellige Millionenbetr?ge (rein fiktiv), sozialen Dreierkonstellationen (animalisch motiviert) und beende das Telefonat nach einer drittel Stunde (sehr selten). Nach drei Wochen ruft mal wieder der Hausputz, sichtlich mit umherirrenden Staubflusen. Ich gelobe Besserung (nicht der Hausputz).
9.1.06 15:41


Trottel

Reisender kommst du nach L?beck, hier bl?hen nicht die Zitronen, von sommerlichen Temperaturen keine Spur und, um es vorweg zu nehmen, im Cafe Kalma geht man nicht Essen.


Mit dem Motorrad von Hamburg kommend, wo ich eine Paar schwarze Dinkelacker Oxfords und klassische Rasierutensilien g?nstig erstanden habe, plane ich einen Stop Over in der kulturellen Ein?de ?stlich von L?beck, kann so meine gute Freundin D. und ihren neuen, hier wie sich sp?ter zeigt zu recht ans?ssigen Freund S., zu treffen.


Die Begr??ung mit D. ist wie immer herzlich. Mein Vorurteil, dass S., den ich bisher kaum sah, ein Trottel ist, best?tigen sich, wie so oft, als ich seine Behausung besichtigen darf. In seinem kleinen Teil des backsteinernen Bauernhauses hat jeder Raum eine andere naturverbundene Farbe. Rechter Hand schlie?t sich an die zitronengelbe K?che der Duschkabuff in dunklem Laterit an. Auf dem dem Weg zum sanit?ren Interieur darf man sich an der Waschmaschine vorbei pressen, auf der der winzige K?hlschrank des Hauses steht.


?ber dem Waschbecken statt eines Spiegels ein gelb angemalter und mit roten Farbsprenkeln versehener Holzschrank, aus dem zwei Schwanenh?lse mit je einem roten und gelben gl?sernen Kelch sprie?en, in denen 25 Watt Gl?hbirnen glimmen. Den Spiegel finde ich dann an der linken Wand, die sich direkt an das Waschbecken schmiegt. Auf die Rasur mit dem am Lederriemen abgezogen Rasiermesser verzichte ich daher, denn hier soll nicht meine Blut flie?en sondern seins, der mich mit freiem Oberk?rper und einem Wassertropfen an der Nase aus einem Foto ?ber dem Klo debil angrinst.


Durch das von den W?nden bis Bettw?sche in orange und gelb gehaltenen Schlafzimmer, im dem ein Stahlrohrbett billigster Machart den Kontrapunkt zum sonst ausschlie?lich vorhandenen Holz bildet und mit Sicherheit der Abschirmung von hinterh?ltigen Erdstrahlen dient, kommt man in den ockernen Wohnraum. Eigentlich ?berfl?ssig zu erw?hnen, dass dies nicht nur auf die W?nde zutrifft. Bullig f?llt in rundlichen Formen der mannshohe Repr?sentant seines beruflichen Schaffens eine Ecke des Raumes: Ein k?nstlerischer Lehmofen, an dem man sich in der kalten Jahreszeit in Ermangelung einer Ofenbank leider nicht setzen kann. Tarotkarten auf dem Fensterbrett, auf dem bastenen Tisch eine Schale mit rundlichen Steinen. W?sste ich es nicht besser, so w?rde ich nie auf die Idee kommen dass hier ein Mann wohnt.


Der offensichtliche Eindruck, dass der mit Kleckerpampe hantierende S. vom Typ Frauenversteher ist und lieber diplomierter K?chenpsychologe sein will, ger?t nach wenigen ?u?erungen seinerseits bei mir zur Gewissheit. "Du, es ist doch o.k., wenn ich meine Meinung ?ndere" h?re ich ihn zu D. sagen. Ich kann mich nicht zwischen Brechreiz und Lachanfall entscheiden und schaue mich weiter um. Im schmalbr?stigen Regal - immerhin eineinhalb Reihen B?cher - Dona Leon, Simmel, "Reparieren Leichtgemacht", ein paar Geo-Magazine und B?cher ?ber die Findung der neuen Rolle als Mann oder Frau, die Krise als Chance, sowie die "Systemische Psychotherapie" des aktuell gr??ten psychologischen Scharlatans, Bert Hellinger. Daneben die Transkriptionen des Sch?pfers des orangenen "Eins sein mit sich selbst", Osho aka Bagwhan. Selbstverst?ndlich tr?gt S. eine orangene Fleecejacke. Karma macht keine Pause, also h?ngt an der Garderobe eine Zweite. Ich dachte immer, dass diese esoterischen Punks ausgestorben seien, seit die charismatische Labertasche sich mit seinen 93 Rolls-Royce ins Nirvana aufgemacht hat. Im Hier und Jetzt massiert D. mir den R?cken. Das K?hlschr?nkchen gibt ausser Luft und Schmutz nicht viel her, nach M?sli ist mir nicht und so hat S. die Aufgabe in L?beck, mit seinen aus tiefen Kavit?ten blickenden Augen nach einer Lokalit?t, die D's. und meinen kulinarischen Anspr?chen gen?gt, Ausschau zu halten.


Als ich bereit zum Start mit meinen Dinkelackern auftrete - ich muss es gestehen - schmeicheln mir D's. Komplimente und Anerkennung, und komme auch nicht umhin, S's. Unsicherheit zu genie?en, als D. ihm zu verstehen gibt nicht mit ihm essen zu gehen, wenn er seine entenfu?gleichen Sandalen anbeh?lt. S. erwidert, dass er auch so ein Paar Schuhe h?tte, die aber nur zu einem Anzug tragen w?rde und nicht zu einer Jeans. "Gute Schuhe gehen immer", werfe ich ein, und S. zieht ein Paar mal schwarz gewesener, gummibesohlter Halbschuhe hervor, worauf ich nachlege, dass sie zu einem Anzug nun wirklich gar nicht gehen w?rden. Er ziert sich noch, schl?pft dann aber doch in die Botten und bleibt auch so der Gegenpol zu D's Erscheinung, die in ihrem eierschalenfarbenen Sommerkleid mit Spaghettitr?gern und einem D?collet?, in dem sich der Stoff leicht kreuzt, bezaubernd aussieht. Dar?ber tr?gt sie der Temperatur angemessen einen wild zerzausten, mittelbraunen Mohairpullover. Einfach knusprig.


Untermalt von esoterisch wabernden Kl?ngen geht es im schwedischen Mobil gen L?beck. Zun?chst schlendern wir nebeneinander, als der Gehweg schmaler wird schreite ich gemessenen Schrittes voraus und spalte die uns entgegenkommenden hanseatischen Gruppen, die erfurchtsvoll meinem Schuhwerk weichen. So muss das sein. S. schl?gt besagtes Cafe Kalma vor, der fl?chtige Blick der im Fenster ausgeh?ngten Karte stimmt mich skeptisch, der beginnende Regen bef?rdert die Entscheidung zum Eintritt, und so sch?big erscheint der Laden auf den ersten Blick nicht. Dies ?ndert sich schnell. Das vom Putz befreite Mauerwerk ist mit Gips verschmiert, und mit Farbe wurde versucht es wieder backsteinern erscheinen zu lassen.


Das Studium der Speisekarte, die sich sprachlich an der gehobenen K?che orientiert und mit der dargebotenen Auswahl sowie den skurril anmutenden Kreationen jedoch scheitert, wird vom Geschnatter orthop?discher Str?mpfe tragender alter Vetteln gest?rt, die offenh?rig ihre H?rhilfen auf dem Pillentablett haben liegen lassen. Ich bin genervt. Meine Wahl, die eher eine kulinarische Schadenbegrenzung ist, f?llt auf den Lachs am Blattspinat, S. nimmt Pasta mit Lachs, D. eine Bouillabaise und R?ucherlachs.


Zun?chst serviert die Kelleuse zu der Zeit, zu der ich die Speisen erwartet h?tte, die Getr?nke promt so, dass keiner von uns das Gew?nschte erh?lt, und fragt mich ob der Lachs der Salmon sei. Schade, dass ich nicht f?r Michelin unterwegs bin. D. und ich sind uns in unserem vernichtenden Urteil einig, S. pendelt tuntig, unsicher und servil dahin. Die Fischsuppe, denn das was D. bekommt ist nimmer eine Bouillabaise, l?sst die Servierschlampe ?ber den Tellerrand schwappen. Man sollte Fischfutter aus ihr machen. S's. aldin?sen Nudeln befriedigen meinen Gerechtigkeitssinn. Ich bekomme einem Glasteller hingestellt. Mein Appetit ist am Ende, meine Gedanken sind bei Schauspielen mit gro?en, hungrigen Raubkatzen im Zirkus Maximus. Liegt diese Assoziation an den Pseudoterrakotafliesen des Fu?bodens? Im Zitronenparfait, das in einem Pressglassch?lchen auf meiner transparenten Essensunterlage steht, ist schlichte Zitronens?ure. Vielleicht doch lieber ein Szenario an dem ich aktiv mit Streckbank und gl?henden Eisen teilnehme und so tagelang meinen Spa? haben kann? S. zahlt pflichtschuldig die Rechnung mit den ?berh?hten Preisen.


Zur?ck auf der Stra?e beschlie?en D. und ich in Berlin - ohne S. - in angemessener Garderobe ebenso essen zu gehen.


Und ich weiss auch schon wo.
25.7.05 21:25


Stil

Der Morgen ist kalt, die Nacht war kalt
ich schlief im Wald, ich bin kein Reh
bin auch kein Hirsch, ein Wolf bin ich nicht
und Eichh?rnchen will ich nicht sein.
Ja was ich bin? Ich bin ein Wildschwein.

Eicheln mag ich sehr, Bucheckern noch mehr
und juckt mich der Speck, sul ich mich im Dreck.
Alle meine Frischlinge hab' ich selber gezeugt
und meine alte fette Bache hat sie ges?ugt.
Ich bin ein Wildschwein und will auch garnichts anderes sein

Da f?llt ein Schu?, er trifft mich ins Herz.
Gestern sagte ich noch so halb im Scherz,
lieber Delikatesse als in die Fleischpresse.
Der Magen der Menschen ist ein sch?nes Grab
und mein Fell gibt einen prima Bettvorleger ab.

Da kommt ein Veganer, oder war's ein Vegetarier?
Jagt den J?ger zum Satan und gr?bt mein Grab dann.
Buddelt mich ein, mich armes Wildschwein.
Keine Rotweinso?e, kein Silberbesteck.
Nein, jetzt verfaul' ich hier im Dreck.
17.6.05 21:40


Scheiß Technik ! (Technics sucks !)



Wutike, ein Dorf in der Prignitz. Hier kann der Berliner zwischen Wald und Feldern, mit freiem Blick zum Horizont, am Wochenende die angespannte Seele baumeln lassen, Freunde besuchen und Kindergeburtstag feiern. So ist mein Plan. Mit was man auch fährt, "eins dreißig" dauert's immer. Das Notebook frisch geladen, schafft locker beide Strecken und ich mir so die Terminarbeiten zum Wochenanfang vom Hals, wenn ich, statt selbst zu fahren, mich fahren lasse und die Bahn benutze. Flugs im Netz die Bahnverbindung ermittelt: 13:13 Uhr, Abfahrt Zoologischer Garten, einmal Umsteigen - nur Fahrscheine gibt es nicht.

Das erste Dutzend kybernetischer Ersetzungen des Verkaufspersonals steht in der Bahnhofshalle. Sie sind von zahlungswilligen Fahrgästen in spe umringt, die für die Bahn nur noch Kunden sind - es geht schließlich ums Geld. Aber um den reisenden Gast können sich nur Mitarbeiter - ergo Menschen - kümmern. Auf ins Reisezentrum. Im Reisezentrum keine Expressschalter an denen Mitarbeiter dem Fahrgast, der weiß wo er hin will, schnellstens einen Fahrschein verkaufen. Stattdessen sechs weitere stählende Genossen, ebenso belagert.

Die Bahn mag die Menschen offensichtlich nicht. Dies muß die Überzeugung der Entscheidungsträger der privatisierten Bahn sein. Ob Fahrgast oder Mitarbeiter, sie stören den reibungslosen Schienenbetrieb. Die eigentliche Mission der Bahn, die Menschen näher zu bringen, bleibt auf der Strecke. Das Humankapital wird durch Fahrscheinautomaten ersetzt. Der Kunde, der früher einmal Fahrgast war, wird jetzt als humanoides Stückgut mit Restintelligenz verstanden und darf sich mit Dialogsystemen herumschlagen, statt ein Verkaufsgespräch zu führen oder noch besser: einfach einsteigen, sich hinsetzen und dann eine Fahrkarte erwerben. Jede noch so ausgeklügelte Werbestrategie der Bahn, mit lächelnden Gesichtern einen anderen Eindruck vermitteln zu wollen, bleibt der perfide Versuch der Täuschung. Aber, so ist halt Marketing.

Von den wenigen Schaltern, die heute Counter sind, mäandern vielfach gewundene Schlangen durchs Reisezentrum. Es ist proppenvoll und welche Schwanzspitze zu welchem Schlangenkopf gehört kann ich nicht ausmachen. Da man meistens mehr als nur die Badehose einpackt - außerdem ist es März und recht frisch - zerren die Wartenden ihr Gepäck häppchenweise - man hat halt nur zwei Hände - dem fernen Verkaufsgespräch entgegen. Offensichtlich wollen viele Fahrgäste genau ein Solches. Mit dem Auto steht man im Stau, bei der Bahn in der Schlange.

Das System ist faul, aber mir bleibt keine Wahl. Ich brauche schnell einen Fahrschein, also einen freien Automat. Auf meinem Zickzack-Kurs durch die Schlangen - eine durchtrenne ich irgendwo zwischen dem 27. und 32. Wirbel, also etwa in der Mitte - ecke ich mit meinem leichten Gepäck vielfach unter den schrägen Blicken der sichtlich genervten Wartenden an. Da ist er, mein freier Automat! Leider reagiert er nicht auf meine Berührung, ist irgendwo im Verkaufsdialog ins Stottern geraten und brachte dann kein Wort mehr raus. Da hilft nur noch Reset und dann nicht in die Augen schauen. Raus aus dieser klaustrophobischen Schlangengrube, die sich Reisezentrum nennt. Da steht am Rand der Halle noch ein freier Automat! Er lächelt nicht, teilt sich mir nur imperativ mit: Touch my screen! Die Verhältnisse sind klar: Er hat das Schreiben - basta!
Die Eingabe meines Zielbahnhofs Wutike muß ich in der Geschwindigkeit meiner vorschulhaften Schreibversuche machen. Die Fragen nach Bahncard und Klasse wollen ebenso bedächtig beantwortet werden. Jede Berührung, die über Zeitlupe (slow motion) hinausgeht, ignoriert der Apparat konsequent. Die Zeit rennt indessen dahin. Als die Bildschirmtaste (soft button) "Fahrplan/Fahrschein" erscheint, wähne ich mich des so sehr begehrten Fahrscheins nahe, berühre den Anfaßbildschirm (touch screen) mit der gebotenen Anmut und - werde herb enttäuscht. Mehr als den Fahrplan, den ich eh schon dem Netz kenne, bekomme ich nicht. Dafür stellt mir der Apparat die überflüssige Frage, ob er meinen Vorstellungen entspricht. Meine Vorstellungen? Meine Vorstellungen sind beherrscht von Folter- und Mordphantasien an diesen zwei Kubikmetern elektronischen Versagens, in denen ich mich eines Schweißbrenners bediene.

Zur Auswahl stehen mir: Drucken (tat ich), zurück (will ich nicht) und abbrechen (will ich erst recht nicht). Ich will nur einen Fahrschein und zwar pronto! Nur, wie ich den bekomme schreibt mir das Dialogsystem, was so viel heißt wie: Apparat stellt Fragen, ich muß antworten, nicht. Ah, vielleicht will er Geld (Cash)? Meine versuchsweise eingeführte EC-Karte kraucht nach quälenden Sekunden der stillen Hoffnung auf Erfolg im Schneckentempo aus dem Schlitz wieder heraus. Bis auf quer eingeführt, denn dazu ist der Schlitz zu schmal, probiere ich jede Variante, die mir mit der immer selben Frage quittiert wird, ob ich den meine EC-Karte richtig eingeführt habe. Nur wie sie es denn gerne hätte, sagt mir die Maschine, ganz ihrem grammatikalischen Geschlecht entsprechend, natürlich nicht.

Da fällt mein Blick auf das Kleingedruckte in den einzelnen Zugverbindungen des angezeigten Fahrplans. Dort "bittet" man mich doch tatsächlich abzubrechen und über die Option Regionalverbindungen zu gehen. Das aufkeimende "Warum das jetzt so ist" unterdrücke ich, ich will nur einen Fahrschein und folge demütig der Aufforderung. Nur die Regionalverbindungen kennen dann Wutike nicht - also wieder keinen Fahrschein. Meine Phantasien sind jetzt blutig, nur die drängende Zeit hält sie im Zaum, das Massaker bleibt aus. Ich will den Zug. Ein freundlich-charmantes Gespräch mit der Zugbegleiterin ist bestimmt amüsanter und erspart mir sicherlich die sonst fällige Nachlösegebühr.

Also auf zum Bahnsteig. Bei der Hatz die Treppe empor, den Massen entgegen (heute ist auch noch Fußball), bleibe ich mit der großen Papiertüte an einem Fan hängen. Der Riß ist fatal, das kugelige Geburtstagsgeschenk kullert herab. Das war's. Als ich wieder wohlsortiert auf dem Bahnsteig ankomme, fährt der Zug gerade ab und die miese Laune ein.
23.3.05 21:25





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